Die Alternativen zum klassischen Mähen

Neben dem klassischen Mähen gibt es weitere Maßnahmen, die für eine Rasenpflege teilweise empfehlenswert sind und auch einigen Erkrankungen vorbeugen können.

Mulchen oder Mulchmähen

Mulchen allgemein nennt man das Aufbringen von Mulch auf eine genutzte Naturfläche. In der Landwirtschaft wird diese Methode genutzt, um die Nährstoffversorgung des Bodens sicherzustellen bzw. zu verbessern. Beim klassischen Rasenmähen wird das Schnittgut in der Regel entweder direkt in dem Auffangbehälter des Rasenmähers gesammelt oder nach dem Mähen aufgeharkt. Lässt man allerdings das Schnittgut nach dem Mähen auf der Rasenfläche liegen, so spricht man vom „Mulchmähen“.

Der Vorteil vom Mulchmähen

Durch die Verrottung des Rasenschnittes auf dem Rasen selbst wird der Nährstoffkreislauf wieder geschlossen, indem die für das Wachsen des Rasens dem Boden entzogenen Nährstoffe direkt wieder eingebracht werden und der Boden entsprechend nicht oder wesentlich weniger auslaugt. Gleichzeitig kann eine zusätzliche Düngung verringert werden, so dass hier die Umwelt und der Geldbeutel geschont werden können. Zusätzlich muss das Schnittgut nicht entsorgt werden.

Das korrekte Mulchmähen

Mit dem richtigen Werkzeug ist Mulchmähen nicht schwieriger als normales Rasenmähen. Spezielle, im Handel erhältliche Mulchmäher sind den regulären Sichelmähern sehr ähnlich im Aufbau, allerdings besitzen sie noch ein zweites Schneidwerk, um das Schnittgut noch weiter zu verkleinern und damit die Verrottung zu begünstigen.

Wie beim normalen Rasenmähen sollte gerade beim Mulchmähen auf einen trockenen Rasen geachtet werden. Nasses Schnittgut kann verklumpen und so eine gute Verteilung über die Rasenfläche erschweren. Denn je besser der Grasschnitt schon in den Rasen eingearbeitet wird, desto besser vollzieht sich auch der Verrottungsprozess, dahingegen kann durch aufliegendes Schnittgut sogar ein Fäulnisprozess einsetzten und den darunterliegenden Rasen schädigen. Neben nassem Schnittgut kann auch ein zu langes Schnittgut ein gutes Verrotten verhindern, so dass die Häufigkeit des Mähens evtl. angepasst werden sollte.

Rasenflächen, die über ein Mulchmähen mit Nährstoffen versorgt werden sollen, sind mind. ein bis zweimal pro Woche zu mähen, um hier optimale Ergebnisse zu erzielen. Selteneres Mähen führt nicht nur zu sehr viel Schnittgut, sondern ein schmieriger Belag, der sich dann evtl. auf den Gräsern bildet, kann ebenfalls zu einer ungleichmäßigen Verteilung oder einem Verklumpen von Schnittgut führen. Die Verteilung über die Rasenfläche kann gleichzeitig mit einer Harke oder einem groben Besen noch unterstützt werden. Ebenso ist die Durchmischung mit Sand eine Methode, ein Verklumpen zu verhindern.

Sog. Mulchmäher sind spezielle für das Mulchmähen ausgelegte Rasenmäher, die über das Schnittgut nach dem Schneiden noch einmal zerkleinern und direkt auf der Rasenfläche verteilen. Die Nutzung eines Mulchmähers ist daher empfehlenswert, wenn man den Rasen über das eigene Schnittgut mit Nährstoffen versorgen möchte.

Als optimalen Zeitpunkt ist das Frühjahr zu nennen, um Nährstoffe für die anstehende Wachstumsperiode bereitzustellen.

Vertikutieren – Entfernt ungewünschtes Moos und alten Mulch

Regelmäßiges Vertikutieren ist eine weitere Maßnahme, um langfristig einen schönen Rasen zu erhalten und das gute Wachstum zu unterstützen. Beim Vertikutieren wird die Grasnarbe angeritzt und gleichzeitig Moos und Mulch entfernt, indem rotierende Messer, die senkrecht zum Boden stehen, diesen bearbeiten. Dadurch können Nährstoffe, Luft und Sonnenlicht die Graswurzeln besser erreichen und das Wachstum wird begünstigt.

Wie häufig und wann?

Auch wenn regelmäßig vertikutiert werden sollte, ist damit eine Häufigkeit von ein- bis zweimal im Jahr gemeint. Im Frühjahr kann so Platz für ein gutes Wachstum geschaffen werden und ein zweites Vertikutieren kann gerade nach sehr fruchtbaren Sommern das gewachsene Moos entfernen. War der Sommer dahingegen sehr trocken, ist ein zweites Vertikutieren in der Regel nicht notwendig.

Ist ein Fertigrasen über mehrere Jahre nicht mehr vertikutiert worden, sollte in zwei Richtungen vertikutiert werden, um sehr gründlich die gewachsenen Moose und Reste von Mulch etc. zu entfernen. Bei einem Rasen, der normal gepflegt wurde, reicht ein Vertikutieren in eine Richtung vollkommen aus.

Zum richtigen Zeitpunkt lassen sich auch einige Tipps zusammenfassen. Je nach Wetterverhältnissen sind die Monate April bis September geeignet. Ab ca. 8°C setzt ein Rasenwachstum ein und um genau dieses zu unterstützen, macht ein Vertikutieren insbesondere am Anfang der Wachstumsperiode Sinn, wenn die 8°C relativ konstant übertroffen werden.

Herrscht zu große Hitze oder eine Trockenperiode, ist ein Vertikutieren nicht ratsam, ebenso sollte kein nasser Fertigrasen vertikutiert werden. Ein optimales Ergebnis wird bei „normalen“ Verhältnissen erreicht, wie sie bspw. häufig im April vorherrschen.

Tipps zum korrekten Vertikutieren

Im Handel sind Vertikutierer erhältlich, die diese Aufgabe sehr zuverlässig erfüllen. Aufgrund der seltenen Nutzung bietet sich hier auch an, einen Vertikutierer für die ein bis zwei Einsätze im Jahr zu mieten. Fachhändler oder Baumärkte bieten in der Regel diesen Mietservice.

Vor dem Vertikutieren sollte der Rasen gemäht werden, ein Schnitt auf geringe Höhen schont dabei die Geräte und erleichtert das Arbeiten. Wesentlich höher als 4mm ist hier nicht empfehlenswert.

Um die richtige Arbeitshöhe (oder Schnitttiefe der Messer) einzustellen, sollten die Messer erst so justiert werden, dass sie den Boden noch soeben erreichen (evtl. testen auf einem kleinen Rasenstück). Danach sollte die Arbeitstiefe bei gepflegtem und regelmäßig vertikutiertem Fertigrasen 3mm niedriger sein. Hat der Rasen schon länger kein Vertikutieren erfahren, ist die Arbeitstiefe sogar um ca. 5mm abzusenken, damit noch tiefer Moose ausgeschnitten werden. Je mehr verfilzt ein Rasen ist, desto tiefer ist der Vertikutierer einzustellen. Bedient man sich oft des Mulchmähens kann durch die Mulchreste auch ein tieferes Vertikutieren notwendig sein. Bei der Tiefe gilt allerdings auch eine gewisse Vorsicht, denn ansonsten wird die Grasnarbe zu stark geschädigt. Alternativ zu einer sehr großen Schnitttiefe kann auch ein Vertikutieren in wenigen Wochen wiederholt werden, um bspw. vernachlässigten Fertigrasen richtig zu behandeln.

Generell sollte nicht immer in die gleiche Richtung vertikutiert werden, sondern für einen Rasen ist es sehr förderlich, beim nächsten Vertikutieren versetzt zu vorherigen Richtung vorzugehen.

Rasenflächen sehen in der Regel direkt nach dem Vertikutieren nicht sehr ansehnlich aus. Nach kurzer Zeit hat sich der Rasen aber regeneriert und kann von der Entledigung von Moosen und Mulchresten stark profitieren und überzeugt durch eine wesentlich bessere Optik.

Den Rasen lüften (aerifizieren)

Das Lüften oder Aerifizieren des Rasens ist etwas weniger bekannt als das Vertikutieren, aber ebenso effektiv um einen schönen Fertigrasen zu erhalten. Beim Aerifizieren werden durch spezielle Geräte und Maschinen Löcher mit einem Durchmesser von ca. 2cm in den Boden gestochen mit einer Tiefe von 5-9cm und ausgehoben. Durch diesen Vorgang wird ein sehr nachhaltiger Gastaustausch durchgeführt (daher auch der Name der Methode). In der Regel schließt sich eine Besandung an und diese Kombination ermöglicht dann auch eine Änderung der Bodenstruktur, hin zu einem lockeren Boden, der das Graswachstum fördert. Teilweise ist auch eine Nachsaat mit dem Aerifizieren verbunden.

Wie häufig und wann?

Auch wenn die Eingriffe sich schwerwiegend anhören, kann ein Rasen durchaus zweimal im Jahr belüftet werden. Insbesondere Flächen, die durch Nutzung stark verdichtet werden, profitieren von einer regelmäßigen Aerifizierung. Golfrasen oder Wiesen können so lange erhalten werden. Bei Golfrasen wird auch die ebene Fläche wieder hergestellt, weil sich der Boden gut setzen kann. Auch sehr schwerer Boden kann so langfristig gelockert werden. Ebenso stark vermooster oder nur wenig gepflegter Rasen kann durch ein Belüften gut von Grund auf wieder renoviert werden um langfristig ein ansprechende Ergebnis zu erzielen.

Der Zeitpunkt ist hier ähnlich wie beim Vertikutieren. Damit der Fertigrasen die Belüftung optimal nutzen kann, ist vor dem Wachstum (was in der Regel im Sommer den Höhepunkt hat) ein Aerifizieren empfehlenswert. In Kombination mit einer anschließenden Düngung und Nachsaat ist der Rasen optimal vorbereitet.

Tipps zum korrekten Belüften

Der Handel hält hier eine Reihe spezieller Geräte und Maschinen vor, die die Belüftung vornehmen bzw. erleichtern. Abhängig von der Größe der Rasenfläche sind auch motorisierte Geräte verfügbar. Ob sich eine Anschaffung lohnt, ist dagegen häufig fraglich. Ein Mietservice im Fachhandel oder in Baumärkten ist in der Regel die bessere Lösung für Privatleute.

Beim korrekten Aerifizieren wird der Aushub von der Rasenfläche entfernt und der Rasen im Anschluss besandet. Runder, feinkörniger Sand sollte aufgebracht werden. Durch die vorher gestochenen Löcher wird der Fertigrasen damit tiefgehend durchsetzt. Im Endeffekt wird dichter Boden sehr nachhaltig gelockert Regenwasser kann gut aufgenommen werden. Ebenso kann einen Düngung und eine Nachsaat erfolgen, um den Rasen von Grund auf zu behandeln.